Auszeit in Grindelwald – Zwischen Fondue-Gondel, Schneeskulpturen und Gourmet-Genuss
- Nina

- vor 21 Stunden
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Die Weihnachtszeit hat uns ausgepowert. So schön die vielen Familienbesuche auch waren, erschöpft waren wir dennoch. Nach einem kalten, grauen Januartag in Zürich ging es für uns nach Grindelwald. Weil wir im Sarganserland zu Hause sind, hatten wir die majestätische Berner Bergwelt bisher kaum erkundet. Grindelwald war für uns komplettes Neuland und genau das Richtige für einen Tapetenwechsel.
Ankunft im Hotel Belvedere
Als wir am Abend das Hotel Belvedere Grindelwald betraten, empfing uns ein herzliches Lächeln der Lernenden an der Rezeption. Der erste Blick in unser Zimmer liess uns staunen. Es war sehr geräumig, so gross wie unsere erste gemeinsame Wohnung, mit einem komfortablen Bett und einem grosszügigen Badezimmer, das sowohl über eine Dusche als auch eine Badewanne verfügte. Hier könnte man sich problemlos auch länger als nur ein paar Tage wohlfühlen. Die lange Fahrt steckte uns noch in den Knochen, also gönnten wir uns erst einmal einen wohlverdienten Powernap. Denn das eigentliche Highlight des Abends wartete noch auf uns.
Fondue-Gondel
Zum Abendessen bestiegen wir eine Gondel. Keine Sorge, sie schwebt nicht in schwindelerregender Höhe, sondern steht fest am Boden verankert. Trotzdem, oder gerade deshalb, kommt ein heimeliges und vertrautes Gefühl auf. Die Fondue-Gondel des Hotel Belvedere ist gewiss ein Magnet für Touristen, die zum ersten Mal in den Genuss von geschmolzenem Schweizer Käse kommen. Aber auch als Einheimische wollten wir uns dieses besondere Erlebnis nicht entgehen lassen.
Die Speisekarte verrät, wie international beliebt dieses Konzept ist: Neben Deutsch ist sie auch auf Koreanisch verfasst. Sogar eine Probier-Portion kann man bestellen. Perfekt für alle, die sich erst herantasten wollen. Wir entschieden uns für die volle Portion. Mit einem kühlen Glas Weisswein stiessen wir auf den Abend an.

Als Vorspeise gab es die Wahl zwischen Salat und Suppe. Wir entschieden uns für den Salat und das leckere Honig-Senf-Dressing versuche ich bis heute in meiner Küche zu kopieren. Dann kam das Fondue. Meine Erwartungen waren nicht sonderlich hoch. Fondue ist nun mal Fondue, dachte ich. Ich habe es schon unzählige Male gegessen, und ja, es schmeckt mir immer. Aber die Unterschiede? Die waren für mich bisher oft kaum wahrnehmbar. Doch dieses Fondue hatte etwas Besonderes, ich denke, dass eine spezielle Gewürzmischung dahintersteckt, die dem Käse seinen ganz eigenen Charakter verleiht. Das Fondue war herrlich leicht und wurde mit knusprigem Brot und Kartoffeln serviert.
Start in den Tag

Der nächste Morgen begann mit einem grosszügigen Frühstücksbuffet. Frisches Obst, Lachs, fluffige Mini-Donuts, hier findet wirklich jeder sein perfektes Frühstück. Gestärkt machten wir uns auf den Weg in den Wellness-Bereich.
Hier gibt es verschiedene Massagen, Beauty-Treatments, eine Sauna, ein einladendes Schwimmbecken und einen Sole-Whirlpool im Garten. Wir verbrachten den gesamten Vormittag im warmen, sprudelnden Wasser, den Blick auf die schneebedeckten Berggipfel gerichtet.
Patrouille Suisse vor der Nase
Zurück auf dem Zimmer, als wir uns langsam für das Mittagessen fertig machten, bot uns der Balkon eine unerwartete Show. Die Patrouille Suisse, die Kunstflugstaffel der Schweizer Armee, zog ihre Trainingsrunden direkt vor unserer Nase. Begeistert versuchten wir die Luft-Kunststücke mit der Kamera einzufangen.
Mittagessen im Restaurant Belvedere

Ein offizielles Mittagsmenü gibt es im Belvedere Grindelwald zwar nicht, dafür aber die liebevoll betitelte «kleine Gaumenfreude»-Karte. Von Buffet-Plättli bis Linsen-Currys findet man hier eine gute Auswahl. Nach dem reichhaltigen Frühstück waren wir immer noch gut gesättigt und entschieden uns für eine kleine Portion hausgemachte Pasta, welche wir sehr empfehlen können.
Schneeskulpturen-Bau
Nach dem Mittagessen stand etwas auf dem Programm, von dem ich noch nie zuvor gehört hatte: Schnee-Skulpturen-Bau. Meine bisherige Schneeskulpturen-Karriere beschränkte sich auf eine etwas überschminkte Schneefrau mit Wimpern und Lidschatten, die ich vor vielen Jahren im Garten meiner Eltern gebaut hatte. Hier in Grindelwald wird diese Aktivität professionell von der Firma Outdoor Interlaken organisiert.

Sie stellen einen riesigen, kompakten Schneeblock und Werkzeug aller Art zur Verfügung: Sägen, Schaufeln, Spachteln, alles was man in irgendeiner Form zum Bauen und Formen verwenden kann. Als Überthema erhielten wir den Begriff «Kulinarik». Nach sorgfältigem Abwägen, was mit unseren Skills überhaupt machbar wäre, entschieden wir uns für einen Burger.
Das Buddeln und Formen im Schnee machte unglaublich viel Spass. Wir fühlten uns zurückversetzt in unsere Kindertage, als wir stundenlang draussen im Schnee spielten, ohne an Kälte oder Zeit zu denken. Wichtig: Zieht euch warm an! Kleidung, die ihr auch zum Schlitteln oder Skifahren tragen würdet, ist perfekt. So ist der Spass im Schnee ohne Kälteschock oder Hemmungen garantiert. Als unser Burger fertig war, sassen wir bei einem warmen Tee zusammen und bestaunten stolz unser Werk.

Abendessen im 1910 – Gourmet by Hausers
Am Abend folgte das absolute Highlight unserer Reise. Ein mehrgängiges Menü im Restaurant «1910 – Gourmet by Hausers». Das Restaurant ist gemütlich und ungezwungen eingerichtet, edel, aber nicht abgehoben. Man fühlt sich sofort willkommen, so wie man ist.

Ein Detail fiel uns sofort auf: Auf den Tischen liegt Grindelwalder Marmor. Jeder Stein ist ein Unikat mit seiner ganz eigenen Maserung. Darauf liegt das Besteck. Eine clevere und nachhaltige Lösung, um nicht für jeden Gang neues Besteck auftischen zu müssen.

Für uns war das «1910» der perfekte Einstieg in die Welt der Gourmet-Menüs. Edel uns besonders, aber nicht abgehoben.
Offiziell vier Gänge standen auf der Karte, doch dazwischen gab es unzählige Zwischengänge, die mindestens genauso spektakulär waren wie die Hauptakteure. Besonders beeindruckte uns, dass das Restaurant ausschliesslich mit Zutaten aus der Schweiz arbeitet. Das Menü zeigt eindrücklich, welche kulinarischen Wunder mit heimischen Produkten möglich sind.

Einige Gerichte brennen sich bis heute in mein Gedächtnis ein: Eine Art Pilz-Tarte, filigran und aromatisch. Ein Amuse-Bouche, das in einem einzigen Bissen verschwand und dabei eine wahre Geschmacksexplosion im Mund auslöste. Ebenfalls ein Highlight war ein Dessert mit Kartoffeln und Tannenöl. Eine erdige Süsse der Kartoffel und das harzige, fast meditative Aroma des Tannenöls blieben mir bis heute.
Das gesamte Abendessen war ein wunderschönes Erlebnis, etwas Besonderes, dass wir eher selten machen und deshalb um so mehr geniessen konnten.
Waldhuus Bellary
Am Morgen unserer Abreise hatte Carole, die das Hotel Belvedere in vierter Generation gemeinsam mit ihrem Bruder Philip leitet, eine Führung durch das Waldhuus Bellary geplant. Diese besondere Unterkunft, weder klassisches Hotel noch Hostel, wird ebenfalls von den Geschwistern geführt und ist nur wenige Gehminuten vom Hotel Belvedere entfernt.

Das Waldhuus wurde 1886 von indischen Missionaren erbaut und nach der Stadt Bellary in Indien benannt. Was die Missionaren damals nach Grindelwald verschlug, ist unbekannt.
Mit viel Liebe zum Detail konzipierten Carole und Philip das Waldhuus Bellary neu im freigeistigen Stil der 70er Jahre. Überall begegnen einem die ikonischen Muster dieser Ära. Orange-braune Töne, geometrische Formen und verspielte Details wie eine Discokugel. Viele alte Möbelstücke wurden liebevoll neu gepolstert und fügen sich harmonisch in das Retro-Konzept ein. Der Vibe des Waldhuus begeisterte uns und wir verliebten uns in die durchdachte, harmonische Gestaltung.
Grindelwald, wir kommen wieder!
Diese kurze Auszeit war genau das, was wir nach den familien intensiven Weihnachtstagen brauchten. Grindelwald bietet für jeden etwas: sportliche Abenteuer für die Aktiven, ruhige Wellness-Wochenenden für Erholungssuchende und spassige Aktivitäten wie das Schneeskulpturen-Bauen.
Bei unserem nächsten Besuch würden wir gerne im Waldhuus Bellary übernachten und das 70er Ambiente geniessen. Und ein Genuss-Abend im «1910 – Gourmet by Hausers» steht definitiv auch wieder auf dem Programm.

















































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